Stünz

Die Wurzner Straße liegt aufgeschlitzt, Männer fummeln in ihrem Schoß und kitten Kabel wie zerschossene Sehnen. Nur ein gelber, lauter Wurm frisst zuzeiten sich entlang, sonst bleibt es stumm. Kadaverflanieren, allen Windungen entlang, hinauf bis zur Kirche, wo die Bitterkeit des Dungs noch nicht lang verdeckt ruht von Gräbern und Autohausvitrinen. Wie ein Zahnrad greift stumm jeder Körper in die Zacken der anderen und treibt das Leben voran, Drehorgel ohne Pfeifen. Ich nehm den Weg ins Grüne, hindurch die Abklatschwelt der Lauben, Entwürfe für die Ewigkeit. Vorbei an welkem Fliederstrauch und Birnbaumranken reiht sich Schritt an Schritt bis zur Biegung unter der Bahn. Ein Tatort-Tunnel mit unpässlichem Ausgang. Feucht harren die Steine der niederen Decke, mein Auge sieht Blaulicht und Spürhundspuren, dann scheint wieder der Himmel über dem Park, umzingeltes Land von Bauernwiesen. Stumpf raunen Parkapaare an mir vorüber, austauschbar, und ich ahne, was das bedeutet, verrentet: Spielfiguren der Zeitläufte, harmloses Leergut auf Nebengeleis. Nur die Erpel auf dem Teich kreischen Farbe ins Bild. Ein Köter kläfft. Sanft dehnt sich das Gras hinter zum Bachbett. Meine Fersen duellieren mit Knie und Knorpel, der Lauf findet hier ein Ende. Mein Rückmarsch ist eines Alten würdig, nur mein Hochmut flammt wie Phosphor und verblendet, verblutet, verblasst.

 

(2015)

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